Mein erstes Mal … in Landshut

Bei meiner Vorstellung am 27. September in St. Peter und Paul habe ich es schon gestanden: Mein erstes Mal wirklich in Landshut – das Umsteigen am Bahnhof zähle ich nicht dazu – war erst im vergangenen Juni. Als ich damals erfahren habe, dass ich die kommenden zwei Jahre als Priesteramtskandidat – zu gut Bayerisch: als Pfarrerlehrbua – in Landshut leben und arbeiten werde, bin ich Mitte Juni zum Kennenlernen hergekommen. Heute, nach gut einem Monat als Einwohner der niederbayerischen Bezirkshauptstadt, blicke ich zurück und fühle mich ein wenig wie ein Kind: Beim ersten Mal wirkte alles riesig und unübersichtlich, und heute kommt es mir einfach und – ja – normal vor.

Ich erinnere mich an die Anfahrt. Die Zugstrecke kannte ich, denn vor acht Jahren, in meinem ersten Jahr im Priesterseminar, das ich in Passau verbracht habe, bin ich sie regelmäßig gefahren. Neu war, dass ich diesmal in Landshut ausgestiegen bin und mich auf die Suche nach dem passenden Bus gemacht habe. Während alle anderen zur Haltestelle Richtung Stadtmitte gingen, hielt ich mich fest an Google Maps und suchte die Regionalbushaltestelle, denn ich wusste nicht, ob die Stadtbusse viele Zwischenstopps haben oder überhaupt dorthin fahren, wo ich hinwollte. Also saß ich als fast einziger Fahrgast im Regionalbus bis zur letzten Station in der Altstadt und wunderte mich immer mehr: War das die richtige Route? Saß ich im falschen Bus? Oder will einfach niemand in diese Stadt hinein oder zurück? Aber zumindest fuhren wir über die Isar – und damit wieder in das „richtige Bistumsgebiet“ (das linke Isarufer gehört zum Bistum Regensburg), dann kann die Strecke ja nicht so falsch sein, dachte ich.

Schließlich brachte mich der Bus auch dorthin, wo ich hinwollte, und so machte ich mich, fest dem Stern des Navis folgend, auf den Weg zum Stadtkirchenbüro. Wie verwinkelt mir die Gassen vorkamen, weiß ich noch gut. Nun stand ich vor der großen Kirche St. Jodok – von deren Patrozinium ich zuvor wahrscheinlich noch nie gehört hatte – und dann vor dem Stadtkirchenbüro. Hier begann, was sich seither ständig wiederholt hat: ein neues Gesicht, ein Name dazu und schon das nächste Gesicht – immer mit der inneren Frage, wie ich mir das alles merken soll. Auch die Wege zum Isarufer sowie zum Pfarrhaus und weiter nach St. Martin kamen mir unglaublich lang und verwinkelt vor. Jede Straße schien über hundert Häuser zu haben. Vor allem musste ja diese Freyung riesig sein, bei über 629 Hausnummern! Wie soll ich da schon bald allein durchfinden?

Ich weiß noch, wie verwundert ich war, als ich in einem Gespräch erwähnte, dass ich in der Altstadt wohnen würde, und mir entgegnet wurde, das Pfarrhaus liege doch eher in der Neustadt. Ich dachte fortan, dass die Innenstadt, die ich kannte, eben die Neustadt sei und die Altstadt dann wahrscheinlich auf der anderen Isarseite liegen würde. Erst als ich dann wirklich hier gewohnt habe und immer mehr Straßen und Häuser abgelaufen bin, lernte ich das Wege- und Straßennetz der Innenstadt immer besser kennen – und so wurde es auch immer kleiner und übersichtlicher. Auch der Weg nach St. Peter und Paul ist ja wirklich nicht schwierig, und mittlerweile verstehe ich immer mehr, wann ich durch den Tunnel fahren muss und dass dieser kein Portal in eine ganz andere Welt – die Innenstadt – ist, sondern Ein- und Ausfahrt fußläufig gar nicht mal so weit auseinanderliegen.

Nur der Weg auf den Hofberg und wieder herunter ist mir noch ein kleines Rätsel. Dort brauche ich das Navi, das mich plötzlich in eine bekannte Straße abbiegen lässt, ohne dass ich wüsste, wie ich dorthin gekommen bin. Und auch das bistumsmäßige „Ausland“ auf der anderen Seite der Isar konnte ich noch nicht vollständig in mein Straßennetz einarbeiten, und so bleiben dort noch manche Fäden unverwoben.

Wie bei den Wegen geht es mir auch bei den Menschen: hunderte großartige und freudige Begegnungen, jeweils mit neuen Gesichtern, dazu noch Namen und die jeweils zugehörige Pfarrei, Engagements und Überschneidungen. Auch dieses Netz webe ich erst nach und nach.

Jeden Tag gibt es in dieser Stadt Neues zu entdecken. Ich bin immer wieder begeistert, was hier alles möglich ist: von großen Veranstaltungen wie dem Stadtspektakel und der Nacht der Jesuiten über das gewaltige Engagement, das ich in der Stadtkirche erleben darf, und das große Vertrauen, das ich in vielen Begegnungen spüre, bis hin zu den Kleinigkeiten, die diese Stadt so sympathisch machen. Eine davon hat mich in den letzten Wochen beschäftigt: die vielen Kranzl und Humpen, die hier verschenkt werden. Die Humpen konnte ich mir ja erklären, aber wofür die vielen Buchskranzl gut sein sollen und warum gerade sie so ein Renner unter den Geschenken sind, konnte ich mir nicht vorstellen.

Vielleicht ist ja gerade das das Schöne am ersten Mal: Man darf noch über viele Dinge ganz kindlich staunen, die mit der Zeit ganz selbstverständlich werden.

(Andreas Penzkofer)


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