Um die Einheit der Christen

O Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, unser einziger Erlöser, Friedensfürst!

Gib uns Gnade, dass wir uns die große Gefahr der Zerrissenheit zu Herzen nehmen.

Nimm allen Hass und alle Vorurteile hinweg und was immer uns an wahrer Eintracht hindern mag.

Wie nur ein Leib und ein Geist ist und eine Hoffnung unserer Berufung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, so lass auch uns hinfort ein Herz und eine Seele sein, verbunden durch das heilige Band der Wahrheit und des Friedens, des Glaubens und der Liebe, dass wir dich mit einem Geist und Munde preisen durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

(aus der Jakobus-Liturgie, 4. Jh., zitiert nach der Zeitschrift „Gottesdienst“ 2019/1)

Gesegnete Weihnachten!

Ich bin deine Freude – fürchte dich nicht, froh zu sein!

Ich bin in deiner Not; denn ich habe sie selbst erlitten.

Ich bin in deinem Tod; denn heute, als ich geboren wurde, begann ich mit dir zu sterben.

Ich gehe nicht mehr weg von dir.

Was immer dir geschieht, durch welches Dunkel dein Weg dich auch führen mag: Glaube, dass ich da bin; glaube, dass meine Liebe unbesiegbar ist!

Dann ist auch deine Nacht Heilige Nacht.

Dann zünde getrost die Kerzen an – sie haben mehr recht als alle Finsternis.

(Karl Rahner)

Adventus medius (Bernhard v. Clairvaux)

„Eine dreifache Ankunft des Herrn kennen wir. … In der ersten Ankunft kam er im Fleisch und in der Schwachheit. In dieser mittleren kommt er in Geist und Kraft, in der letzten in Herrlichkeit und Majestät.“ (Bernhard von Clairvaux).

Die Weisen der mittleren Ankunft sind vielfältig: Der Herr kommt durch sein Wort; er kommt in den Sakramenten, besonders in der heiligsten Eucharistie; er kommt durch Worte und Ereignisse in mein Leben hinein. Es gibt aber auch epochale Weisen dieses Kommens. Das Wirken der beiden großen Gestalten Franziskus und Dominikus im 12. aufs 13. Jahrhundert war eine Weise, wie Christus neu in die Geschichte hereintrat, neu sein Wort und seine Liebe zur Geltung brachte; eine Weise, wie er seine Kirche erneuerte und die Geschichte auf sich zu bewegte. Ähnliches können wir von den Heiligengestalten des 16. Jahrhunderts sagen: Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola, Franz Xaver bringen mit sich neue Einbrüche des Herrn in die verworrene und von ihm wegtreibende Geschichte ihres Jahrhunderts.

Können wir also um das Kommen Jesu beten? … Ja, wir können es. Nicht nur das: Wir müssen es! Wir bitten um Antizipationen seiner welt-erneuernden Gegenwart. Wir bitten ihn in Augenblicken persönlicher Bedrängnis: Komm, Herr Jesus, und nimm mein Leben hinein in die Gegenwart deiner gütigen Macht. Wir bitten ihn, dass er Menschen, die wir lieben oder um die wir Sorge tragen, nahe werde. Wir bitten ihn, dass er in seiner Kirche wirksam gegenwärtig werde. Warum sollten wir ihn nicht bitten, dass er uns auch heute wieder neue Zeugen seiner Gegenwart schenke, in denen er selber kommt? … Komm, Herr Jesus!

(Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, II, 315-317).

Christkönigs-Litanei

Singt halleluja, ihr Heiligen in der Höhe,
lass die Kirche auf Erden freudig erwidern:
Christus, dem König, singt halleluja!

Dem Wort und Sohne Gottes,
der aus Liebe unsere Menschheit angenommen:
Christus, dem König, singt halleluja!

Der aus Maria geboren wurde und unser Leben teilte,
der in seiner Menschheit im Kampf obsiegte:
Christus, dem König, singt halleluja!

Der für all unsere Sünden büßte
in nackter Hoheit auf dem Altar von Golgota
Christus, dem König, singt halleluja!

Der glorreich von den Toten erstand
und in der Höhe regiert,
dem Herrn und Haupt seines Volkes:
Christus, dem König, singt halleluja!

Der uns die Gnade des Heiligen Geistes sandte,
um die Liebe des Vaters allen Menschen zu überbringen:
Christus, dem König, singt halleluja!

Vor dem Erlöser des Weltalls
lasst jedes Knie sich beugen in Anbetung:
Christus, dem König, singt halleluja!

Lasst Menschen und Engel unseren Herrn und Gott preisen
und alle Schöpfung ihm die Ehre erweisen:
Christus, dem König, singt halleluja!

Kommt, ruht euch aus

„Nach Peter und Paul / werden die Pfarrer faul,“ lautet ein Spruch im Stil der Bauernregeln, die man nicht ganz ernst zu nehmen braucht. Nun, das Fest St. Peter und Paul am 29. Juni liegt ein Weilchen zurück. Und tatsächlich macht sich der absehbare Beginn der Sommerferien in mancher (terminlicher) Hinsicht als Erleichterung für mich als Pfarrer bemerkbar. Für die vielen, die im Leben der Pfarrgemeinden mithelfen, wahrscheinlich auch, aber noch nicht gleich. Es kommen noch Feste, die ausgerichtet werden wollen. Und die Wahlausschüsse für die Wahl der Kirchenverwaltung im Spätherbst müssen sich konstituieren. Da ist noch einiges, was ansteht …

Hoch willkommen nach einem Jahr intensiver Arbeit kommt da das Evangelium des 16. Sonntags im Jahreskreis daher (22. Juli 2018): „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht euch ein wenig aus.“ (Mk 6,31). Das klingt sehr nach Liegestuhl am Strand oder Bänkchen vor der Hütte. Die Fachleute der Schriftauslegung würden das vielleicht auch gelten lassen. Aber sie machen aufmerksam, dass da nicht nur vom Baumelnlassen der Seele die Rede ist, sondern einige Worte durchaus theologisch „aufgeladen“ sind. Der einsame Ort ist für Jesus ja nicht einfach die Unerreichbarkeit (z.B. ohne Handy und ohne Mails), sondern der Ort der intimen Zwiesprache im Gebet mit dem Vater im Himmel. Seine Ruhe ist das Ruhen am Herzen des Vaters, wo er, der Sohn, ganz er selbst ist. In diese Sphäre will er die Jünger mitnehmen und mit hinein führen. Und diese Verbundenheit mit Gott, dem Vater, gibt ihm auch wieder die Kraft, sich den Menschen zuzuwenden. Tatsächlich sind wieder viele Menschen da, Jesus lässt sie an sich heran, empfindet Mitleid, „und er lehrte sie lange“ (Mk 6,34).

Wohl allen, die eine Sommerpause haben und sich einrichten dürfen! Aber es will klug überlegt sein, wo und wie man tatsächlich Ruhe findet. Die Ruhe, die aus der Verbundenheit mit Gott entspringt, soll dabei auf jeden Fall ihren Platz haben. (FJB)

Maria – lass uns dich grüßen

Zu den großen Jubiläen des Jahres 2018 – Ausbruch des 30-jährigen Krieges vor 400 Jahren, Frieden von Münster und Osnabrück 30 Jahre später, Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren – tritt, thematisch nicht unpassend, das kleinere Jubiläum: 75 Jahre ist es her, dass die Mitglieder der „Weißen Rose“ als Nazi-Gegner hingerichtet wurden. Dass die Geschwister Scholl und die anderen Mitglieder dieser Gruppe sehr vom christlichen Geist geprägt waren, wusste ich schon. Aber dass der (ursprünglich evangelische) Hans Scholl in jungen Jahren einen ganz überschwänglichen Marienhymnus verfasst hat, darauf bin ich erst im Kontext des Gedenkens in diesem Jahr gestoßen. Der Marienmonat Mai gibt Anlass, aus diesem langen Gedicht einige Zeilen zu zitieren. Sie sind vielleicht nicht die hochklassigste Literatur, aber durch das Lebenszeugnis ihres Autors eindrucksvoll:

Maria – Königin,
du Starke – du tief
in Gott verschmolzne Rose der Höh‘,
lass uns dich grüßen,
so wie wir dich erahnen
in unsern engen Bahnen.

Denn du bist ja Kristall,
der tausend Glanze sprüht
und immer anders glüht,
du thronest hell im Himmelsall.

Fülle aus göttlichem Strahle,
schütte aus ewigen Brunnen
die Glut in unser Gefäß,
Flammen und Feuer und Licht
das ewig verbleit,
wenn Wand und Hülle zerbricht.

(Hans Scholl, zitiert nach einem Leserbrief in „Christ in der Gegenwart“ Nr. 14/2018)

Ostern

Preis dem Todesüberwinder!

Sieh, er starb auf Golgota.

preis dem Retter aller Sünder!

Was er uns verhieß, geschah.

Lasst des Dankes Harfe klingen,

bis das Herz vor Freude bebt!

Lasst uns mächtig ihm lobsingen,

dem, der starb und ewig lebt.

Sieben Worte Jesu am Kreuz

Als Impuls für die Karwoche ein Lesetipp: Karl Rahner, Gebete des Lebens, hg. v. Albert Raffelt, mit einem Vorwort des jüngst verstorbenen Rahner-Schülers Kardinal Lehmann. Darin findet sich die Meditation über die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz.
Wir befinden uns nach der Leseordnung der Kirche im Lesejahr B, das heißt, wir folgen dem Markusevangelium. Markus bringt als letztes Wort Jesu den dramatischen Ruf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dazu Karl Rahner:
„Es naht sich dir der Tod. Nicht das Ende des Leibeslebens, das Erlösung und Friede ist. Sondern der Tod, der die letzte Tiefe, die unvorstellbare Tiefe der Zerstörung und der Not ist. Es naht der Tod, der Entleerung, grauenvolle Ohnmacht, zermalmende Öde ist … Und in dieser Nacht des Geistes und der Sinne, in dieser Leere des Herzens, in dem alles verbrannt ist, ist deine Seele immer noch im Gebet, wird diese grauenhafte Öde eines im Schmerz verbrannten Herzens in dir ein einziger Ruf zu Gott. O Gebet des Schmerzes, der Verlassenheit, der abgründigen Ohnmacht, Gebet des verlassenen Gottes, sei selber angebetet. Wenn du, Jesus, so betest, in solcher Not betest, wo ist da noch ein Abgrund, aus dem man nicht zu deinem Vater rufen dürfte? Wo ist eine Verzweiflung, die nicht, in deiner Verlassenheit geborgen, selbst zum Gebet werden könnte? Wo ist ein Verstummen in Qual, das nicht wissen müsste, dass solcher stummer Schrei noch gehört wird mitten im Jubel des Himmels?“

Fastenzeit

Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.