Aussäen

Aussäen

Samenkorn Freude,
heute will ich dich ausstreuen
in die Erde der Traurigkeit
in das Beet der Eintönigkeit.

Samenkorn Hoffnung
heute will ich dich säen
in die Furche der Verzweiflung
in die schmalen Pflasterritzen des Aufgebens.

Samenkorn Frieden,
heute will ich dich ausstreuen
zwischen die Mauern der Feindschaft
zwischen das Gestrüpp der Unversöhnlichkeit.

Samenkorn Gerechtigkeit,
heute will ich dich säen
in den verdichteten Boden des Profits
in den steinigen Boden der Habgier.

Samenkorn Vertrauen,
heute will ich dich ausstreuen
in die schmalen Beete des Misstrauens
an die Wegränder aufeinander zu.

Schöpfer Gott, Liebhaberin des Lebens,
bereite du den Boden
lass keimen die Saaten
lass wachsen
Freude
Hoffnung
Frieden
Gerechtigkeit
Vertrauen
unter uns.

Claudia Nietsch-Ochs

Komm, Heiliger Geist!

Zur Pfingsten setzt das kirchliche Hilfswerk „Renovabis“ seinen Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Sammlung zu Pfingsten kommt Renovabis zugute. Die Hilfe, die damit in den Ländern Osteuropas geleistet wird, ist aller Unterstützung wert. Hier aus diesem Anlass und passend zum Kirchenjahr ein Gebet, das uns von Renovabis ans Herz gelegt wird:

Komm, Heiliger Geist!
Wir brauchen dich.

Komm, Heiliger Geist! Wir brauchen dich.
Die anderen warten auf unser Wort,
und wir sind zaghaft.
Sprich aus uns zu ihnen ein Wort,
das ihnen einen Weg zeigt.

Komm, Heiliger Geist! Wir brauchen dich.
Wir sind müde und verkriechen uns gern dorthin,
wo wir Ruhe haben.
Gib uns die Kraft, damit wir uns den anderen zuwenden,
und gib, dass ihnen das gut tut.

Komm, Heiliger Geist! Wir brauchen dich.
Wir nehmen uns so wichtig.
Aber wenn du uns berührst, dann spüren wir,
dass der Vater im Himmel zu uns sagt:
„Du bist mir wichtig.“

Komm, Heiliger Geist! Wir brauchen dich.
Wir haben es eilig, weil noch so viel zu tun ist.
Aber in deiner Nähe können wir
für einen Augenblick Luft holen,
die Liebe Gottes einatmen
und unsere Armseligkeit ausatmen.

Komm, Heiliger Geist! Wir brauchen dich.
Wenn du uns berührst,
sehen wir auf dem Antlitz des anderen
das Leuchten, das von Gott kommt.

(Tilmann Beller)

Jahresgebet der Berufungspastoral

Der 4. Ostersonntag heißt nach den Lesungstexten „Sonntag des Guten Hirten“. Traditionell ist dieser Sonntag der Weltgebetstag um Geistliche Berufe. Christus, der Gute Hirte, setzt seine Fürsorge für die Seinen fort, indem er Menschen beruft, sein Werk im geistlichen Amt der Kirche fortzusetzen. Zu diesem Sonntag hier das Jahresgebet, das vom Zentrum für Berufungspastoral herausgegeben wird:

WEITERLEBEN

Herr Jesus Christus, Menschenfreund,
Du hast Dich auf den Weg gewmacht,
um Menshcne für das Reich Gottes zu gewinnen.
So machst Du unseren Alltag
zu einem Ort der Begegnung mit Dir.
Wir danken Dir.

Herr Jesus Christus,
führe uns in die Weite des Lebens mit Dir.

Herr Jesus Christus, Menschenfreund,
Du hast Menschen von ihrm Hunger
und ihrer Angst befreit.
So wird unsere Bedürftigkeit
zu einem Ort der Begegnung mit Dir.
Wir danken Dir.

Herr Jesus Christus,
führe uns in die Weite des Lebens mit Dir.

Herr Jesus Christus, Menschenfreund,
Du hast Menschen die Vergebung Gottes zugesagt.
So wird unsere Schuld
zu einem Ort der Begegnung mit Dir.
Wir danken Dir.

Herr Jesus Christus,
führe uns in die Weite des Lebens mit Dir.

Herr Jesus Christus, Menschenfreund,
Du hast den Tod nicht gescheut
und uns den Weg zum Vater weit geöffnet.
So wird unser Sterben
zu einem Ort der Begegnung mit Dir.
Dir danken Dir.

Herr Jesus Christus,
führe uns in die Weite des Lebens mit Dir.

Du unser Gott,
im Licht des Heiligen Geistes lässt Du uns erkennen,
wie sehr Du Deine Schöpfung liebst
und Dich ihrer annimmst.
Wir sind nicht für den Untergang geschaffen.
Du willst, dass wir weiterleben.
Segene das Wirken aller Seelsorgerinnen und Seelsorger,
die weltweit in Deinem Weinberg arbeiten.
Und schenke Deinem Volk weiterhin Menschen,
die als Priester und Ordensleute,
als Mitarbeitende in der Pastoral
und durch ihr christliches Leben Zeugnis davon geben,
dass Du alle Menschen
in die Weite des Lebens mit Dir führen willst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.

Tauferneuerung im Alltag

Auf den folgenden Text bin ich gestoßen, als ich an einem Regentag während des Skiurlaubs die Kathedrale von Feldkirch (Vorarlberg) besucht habe. Dort lag er auf:

Tauferneuerung im Alltag

Ich widersage
einem destruktiven Gedanken.
Ich glaube an Gott,
der stark ist und siegt.

Ich widersage
einer Versuchung.
Ich glaube an Gott,
der mein Verlangen stillt.

Ich widersage
einem Vergleichen.
Ich glaube an Gott,
der mich wunderbar geschaffen hat.

Ich widersage
einem abwertenden Gedanken.
Ich glaube an Gott,
der alle Menschen liebt.

Ich widersage
einer lieblosen Bemerkung.
Ich glaube an Gott,
der nur Liebe ist.

Ich widersage
einem unerfüllten Wunsch.
Ich glaube an Gott,
der alles gibt, was ich brauche.

Ich widersage
dem Selbstmitleid.
Ich glaube an Gott,
der mitfühlt und mitleidet.

Sieben Punkte zum „Verzicht“

Vor einigen Jahren war in der Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins ein Artikel über den „Verzicht“ im Bergsport zu lesen – von ganz unvermuteter Seite her ein Beitrag zum geistlichen Programm der Fastenzeit. Hier die sieben Punkte, die sich der alpine Sportler zu Herzen nimmt, und die wir in gegenseitiger Verbundenheit genau auch für unser christliches Leben beherzigen können:

1. Verzicht geht.
Jedenfalls hat das die Corona-Zeit gelehrt. Wenn es sonst hieß: „Geht doch nicht ohne!“ und „Da macht doch keiner mit!“ – siehe da, mit all den Auflagen: Es ist gegangen!

2. Verzicht ist notwendig.
Gerade Bergsteiger wissen gut einzuschätzen, wann etwas einfach nicht mehr drin ist, wenn das Wetter, die Kräfte, die Ausrüstung, die Zeit es nicht mehr zulässen, einen Gipfel noch mitzunehmen. Es gilt, mit gutem Gefühl, aus Überzeugung, eine gute Entscheidung für den Verzicht zu treffen.

3. Verzicht tut weh.
Psychologische Studien belegen, dass schon der Gedanke, auf etwas verzichten zu müssen, das persönliche Glücksempfinden stärker runter zieht, als ein doppelt so großer Gewinn Freude und Lust bereiten würde. Das muss man sich bewusst machen. Aber alles, was weh tut, verbindet uns mit dem „Mann der Schmerzen“, dem Herrn Jesus Christus, der das Kreuz auf sich genommen hat.

4. Verzicht tut nicht nur weh, sondern tut auch gut.
Man hat emotional etwas davon, wenn man sich selber dafür auf die Schulter klopfen kann, dass man den Vorsatz eingehalten hat. Es ist ein  Freiheitserlebnis, zu spüren, dass die alte Gewohnheit keine unüberwindliche Macht darstellt.

5. Verzicht ist guter Stil.
Bergsteiger verzichten auf gewisse Bequemlichkeiten: auf die Seilbahn, auf Luxus bei der Hüttenübernachtung, bis hin – die Extrembergsteiger – auf Trägerkolonnen, auf Sauerstoffflaschen … Da gibt es ein Bewusstsein für die Qualität im „Wie“, nicht nur für die Quantität, „was“ alles man an Höhenmeter und Gipfeln geschafft hat. Christsein in der Gefolgschaft Jesu ist einfach auch guter Stil.

6. Verzicht ist lernbar.
„Verzicht üben“, heißt die Redewendung. Ja, man muss lernen und üben: also mit kleinen Dingen anfangen, sich steigern, den Fortschritt überprüfen.  Nicht gleich radikal alles anders machen wollen als zuvor, sondern kleine Verhaltensmuster einüben, Tag für Tag.

7. Verzicht ist mein kleiner Beitrag zu dem, was im Großen, global, von der Politik und von der Menschheit gefordert wird.
Dass der Raubbau in unserem Lebensstil so nicht weiter gehen kann, ist uns allen klar. Und natürlich bringt es nichts, wenn ich allein mir etwas versage – umso bequemer leisten es sich die anderen dann. Natürlich müssen es Maßnahmen im Weltmaßstab sein, die die Erde als gemeinsames Haus, als Lebensraum bewahren. Aber mit meinem kleinen Verzicht bin ich doch an der großen Wende zum Besseren beteiligt.

Überm Jahresanfang –

Überm Jahresanfang  – ein Lied

Das neue Jahr hat noch nichts falsch gemacht.
Es läuft die Zeit mit uns, es fällt der Schnee.
Darin die Spur, die ich noch lange seh:
der Himmel wurde auf die Welt gebracht.

Überm Jahresanfang hängt der Zauber der geweihten Nacht.
Dass doch immer etwas geht, das hat ein Stern uns zugelacht.

Gott hat das alles einmal mitgemacht
für tausendsiebenhundert Montage
für echtes Glück und jede Notlage
und manchmal wirklich eine lange Nacht.

Überm Jahresanfang hängt der Zauber der geweihten Nacht.
Dass doch immer etwas geht, das hat ein Stern uns zugelacht.

Der Stern hat Weise auf den Weg gebracht.
Nach sieben Studiengängen ungefähr warn sie wie Könige von Osten her
und hätten Gott doch nie so gedacht.

Überm Jahresanfang hängt der Zauber der geweihten Nacht.
Dass doch immer etwas geht, das hat ein Stern uns zugelacht.

Stephanie Schwenkenbecher

Heute – in der Heiligen Nacht

Heute

Heute kommt Gott mich besuchen

Gott sucht mich
und ich lasse mich finden
wie ich bin und nicht bin.

Heute strahlt auf
dieses unfassbare Licht,
das auch meine Finsternis erhellt
und mich zum Staunen bringt

über Gottes Größe
so klein in der Krippe.

Es weist mir
den Weg zum Frieden.
Ich wage ihn zu begehen,
denn wenn Gott
mich
besucht und sucht,
bin ich

erleuchtet
begleitet
gesegnet

in dieser Heiligen Nacht.

Peter Maria Burger, Bibelwerk Linz

„Adventlich leben“

Adventlich leben,
um bereit zu sein für das,
was manchmal so überraschend in unser Leben tritt,
was uns anrührt und bewegt,
was uns angeht und persönlich meint.

Adventlich leben,
um hellwach zu sein für das,
was es neu zu erkennen gilt in dieser Zeit
der seltenen oder verloren gegangenen Visionen,
die aber Gottes Zeit mit uns und für uns ist.

Adventlich leben,
um ganz Ohr zu sein für jene,
die uns von ihrem Kummer und ihrer Mühsal
ihrer Hoffnung und ihren Nöten, ihrer Sehnsucht
und ihrer Enttäuschung erzählen wollen.

Adventlich leben,
um ganz da zu sein für den,
der neu ankommen will in mir persönlich,
als menschenfreundlicher Gott,
als vertrauenswürdiger und liebevoller Freund.

Adventlich leben,
um wartend zu wachen
und wachsam zu warten auf den,
der sich mir neu zuwenden will,
im Geheimnis seiner Menschwerdung.

(Paul Weismantel)

Erntedank

Danken:
Für die Früchte der Erde,
von denen wir leben.
Es ist genug für alle da.

Denken:
Wir haben viel mehr,
als zum Leben notwendig ist.
Es ist genug für alle da.

Tun:
Teilen mit denen,
die hungern müssen.
Es ist genug für alle da.

Danken:
Für den Wohlstand,
in dem wir leben.
Es ist genug für alle da.

Denken:
Unser Reichtum an Gaben
bedeutet Verantwortung.
Es ist genug für alle da.

Tun:
Teilen mit denen,
die in bitterer Armut leben.
es ist genug für alle da.

Trotzdem

Den Gedenktag der Hl. Mutter Teresa von Kalkutta, 5. September, ihr Todestag (1997), nehme ich zum Anlass, hier einen Text von ihr anzubieten, den ich kürzlich als „liturgischen Baustein“ in einer Zeitschrift gefunden habe: „Trotzdem“

Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch.
Liebe diese Menschen trotzdem!

Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben.
Tu trotzdem Gutes!

Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde.
Sei trotzdem erfolgreich!

Das Gute, das du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein.
Tue trotzdem Gutes!

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar.
Sei trotzdem ehrlich und offen!

Die Menschen bemitleiden Verlierer, und sie folgen nur den Gewinnern.
Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern!

Woran du Jahre gebaut hast, das mag über Nacht zerstört werden.
Baue trotzdem weiter!

Die Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst.
Hilf diesen Menschen trotzdem!

Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten.
Gib der Welt trotzdem das Beste!

Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott.
Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen dir und anderen.