Friedhofskultur

Voriges Jahr wurde die Friedhofskultur ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen – die Liste, auf der u.a. auch die Landshuter Hochzeit steht. Die Kirche würdigt diese Kultur, die über das hinaus geht, dass wir als Christen einen passenden Ort haben für die Trauer um unsere Toten, für das Gebet für sie und die Erinnerung an sie.

So sind die Friedhöfe eben auch:
– wertvolle Naturräume, einschließlich einer elaborierten Gartenkultur
– aufgrund der Gestaltung der Grabmäler interessante „Skulpturenparks“
– ein „Philosophie-Forum“ mit vielerlei Anregungen zum Nachdenken über die Grundfragen des Lebens
– als Grünflächen ein Beitrag zu Klima- und Umweltschutz
– Treffpunkte für Witwen und Witwer, Seniorinnen und Senioren
– Brücke und Begegnung unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen
– mit den Soldatengräbern Mahnmale zum Frieden
– Spiegel und Dokumentation der örtlichen und regionalen Geschichte

Friedhöfe sind und bleiben aber vor allem Orte eines lebendigen Glaubens und Kristallisationspunkte für die christliche Hoffnung auf das Leben bei Gott.

Hinschauen – auf Flüchtlinge und Migranten

Papst Franziskus dem kirchlichen „Welttag des Flüchtlings und Migranten“ in diesem Jahr das Motto gegeben: „Auf de Weg zu einem immer größeren Wir“. Seine Botschaft dazu beschließt er mit einem Gebet:

Heiliger und geliebter Vater,
dein Sohn Jesus lehrte uns,
dass im Himmel große Freude herrscht,
wenn jemand, der verloren war, wiedergefunden wird,
wenn jemand, der ausgeschlossen, abgelehnt oder verworfen wurde,
wieder in unser Wir aufgenommen wird,
das auf dieses Weise immer größer und größer wird.

Wir bitten dich: Gewähre allen Jüngern Jesu
und allen Menschen guten Willens die Gnade,
deinen Willen in der Welt zu tun.

Segne jede Geste des Willkommens und der Hilfe,
welche einen jeden im Exil lebenden
wieder in das Wir des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens integriert,
damit unsere Erde so werden kann, wie du sie geschaffen hast:
das gemeinsame Haus aller Brüder und Schwestern.

Amen.

Eine solche Geste des Willkommens und der Hilfe, welche ein paar Menschen, die sonst gern ausgeblendet werden, in unser Gesichtsfeld holt, ist die Fotoausstellung „Die Kinder von Moria“, die auf Initiative der katholischen Bewegung „Pax Christi“ in Verbindung mit Partnern im Oktober (11.10.-1.11.2021) am Dreifaltigkeitsplatz gezeigt wird. Wie hat es ausgesehen in diesem europäischen / griechischen Flüchtlingslager, das später in Brand gesteckt wurde? Wie sehen Kinder aus, die dort gelebt haben? Sich das anzuschauen, sich das zu Herzen nehmen, ist noch nicht die Lösung oder auch nur der Lösungsansatz für all die komplexen Schwierigkeiten beim Thema „Flucht und Migration“. Aber es ist sicher ein gut christlicher Impuls, der nicht umsonst sein wird.

„Heiteren Herzens die Narrheit des Wahren wagen“

Ein Zitat von Josef Ratzinger wurde mir aus dem Kreis der Stadtkirche zugespielt, das allein schon seiner poetischen Sprache wegen bemerkenswert ist und als geistlicher Impuls für den Monat August dienen darf. Inhaltlich bedenkenswert ist es ohnehin, wie alles, was Josef Ratzinger / Papst Benedikt XVI. veröffentlicht hat:

„Wir können nicht zurück ins Vergangene und das wollen wir auch nicht. Aber wir müssen zu neuer Besinnung bereit sein auf das, was im Wechsel der Zeiten das wahrhaft Tragende ist. Das unbeirrbar zu suchen und die Narrheit des Wahren heitern Herzens ohne Abstriche zu wagen, scheint mir die Aufgabe für heute und morgen.“ So schrieb er 1975 im Zuge der Rezeption des II. Vatikanischen Konzils, insbesondere der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ über den Weltdienst der Kirche.

Was meint er? Und was ist dran an dem Gemeinten? Mir scheint, er rechnet damit, dass das Christliche den gläubigen Menschen unausweichlich in einen Gegensatz zum weltlich Normalen bringt und die Christen als Narren in der Welt dastehen lässt. Von der „Torheit des Kreuzes“ hat schon Paulus geredet, und man muss nicht lange fragen, um zu erfahren, welche katholischen Positionen die Welt heute als weltfremd, lächerlich und unsinnig ansieht, als Narrheit, wenn man daran festhalten möchte. Dabei ist dieses Närrische im Katholischen nicht ein stures Festhalten (als was es meistens diffamiert wird), sondern ein unbeirrbares Suchen. In einer bestimmten Richtung zu suchen, bei Gott zu suchen, nach Gott zu suchen, das wird als närrisch angesehen. Auf der sicheren Seite wähnen sich die, die schnell genug die Nase im Wind haben und den Wechsel der Zeit vorneweg mitmachen. Konkret: Sonntagspflicht, Priesterzölibat – könnten das die Dinge sein, die gemeint sind? Dann wäre auch die Sonntagspflicht kein stupides Befolgen eines „muss“, wie es immer gegolten hat und deshalb weiter gelten soll, sondern die unbeirrbare Suche nach etwas Tragendem. Leuchtet ein! Natürlich formt sich eine geistliche Persönlichkeit durch solche Regelmäßigkeit. Ebenso der Priesterzölibat: Natürlich kein Dogma. Aber auf diesem Weg wird nach einem hohen Gut gesucht, nach etwas Tragendem jenseits des Wechsels der Zeiten.

Wenn man von der Umwelt als Narr verachtet wird, droht man leicht griesgrämig, mürrisch, reizbar zu werden. Kann man sich in diese Rolle auch „heiteren Herzens“ einfinden? Das wär’s, meint Ratzinger.

Im Nachsinnen und Knobeln, was gemeint sein könnte, kommt man an kein Ende, weil der Satz wirklich tiefsinnig ist. Aber man darf aufhören, wenn man sich an der poetischen Kraft zur Inspiration erfreut hat.

ICH WILL

Von einem Mitglied der Stadtkirche habe ich einen starken Text des (mir unbekannten) Autors Jorge Bucay bekommen. Ein klares „ich will“, aber mit offenem Adressat. Zuerst der Mitmensch – klar. Aber ebenso gut oder sogar noch besser: Gott. Handschriftlich war auf dem Blatt, das bei jemand von uns am Küchenschrank klebt, das ich als Foto übermittelt bekam, notiert: „Manche Bitten sind von Gott seit je her erfüllt. Dessen sollten wir uns bewusst werden.“ Und die Pointe in der letzten Zeile – ganz stark! Neugierig? Also, hier der Text:

Ich will, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen.

Ich will, dass du deine Meinung sagst, ohne Ratschläge zu erteilen.

Ich will, dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten.

Ich will, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden.

Ich will, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken.

Ich will, dass du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen.

Ich will, dass du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben.

Ich will, dass du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen.

Ich will, dass du mich hältst, ohne mich festzuhalten.

Ich will, dass du mich beschützt, aufrichtig.

Ich will, dass du mir nahe kommst, doch nicht als Eindringling.

Ich will, dass du all das kennst, was dir an mir missfällt. Dass Du es akzeptierst. Versuch es nicht zu ändern.

Ich will, dass du weißt … dass du heut auf mich zählen kannst. Bedingungslos.

Segel des Glaubens setzen, damit Gott es füllt mit Hl. Geist

Der Hl. Hilarius von Poitiers (in Frankreich) war Bischof und Schriftsteller im 4. Jahrhundert. Er hat eine große Abhandlung über die Dreifaltigkeit Gottes geschrieben. In der Einleitung darin kommt er auf ein schönes Bildwort, das mich sehr angesprochen hat. Ich will es jetzt, in den Tagen vor dem Pfingstfest, weitergeben. Im Stil der Anrede an Gott, also im Stil des Gebets, schreibt er:

„Ich bekenne nur mein Wollen. Im übrigen muss ich beten um die Gabe deiner Hilfe und deines Erbarmens, dass du die ausgespannten Segel meines Glaubens und meines Bekennens füllst und uns auf dem Kurs des Begonnenen vorantreibst.“

Ja, wir müssen nicht erst den Glauben verstehen, um uns dann für ihn zu entscheiden, gar in dem Maß, als wir ihn verstanden haben und aus eigener Einsicht verantworten können. Wir dürfen umgekehrt den Glauben, ja sogar das schlichte Bekenntnis, wie wir es von klein auf übernommen haben, aufspannen wie ein Segel … und während ich mir das bildhaft vorstelle, wird meine Seele schon weit, frei und hochgespannt … und dann erhoffen, erbitten und erwarten, dass Gott dieses Segel füllt mit dem Wind des Hl. Geistes. Dann kommen wir in Fahrt, dann kommen wir voran. So kann es Pfingsten werden, wenn wir nicht misstrauisch, gar missmutig oder verzagt abwarten, ob etwas geschieht in der Kirche. Sondern wenn wir schon voraus hochherzig die Segel des Glaubens und des Bekennens hissen.

Auf und hinaus ins Leben!

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick …“

Wer kennt nicht den berühmten Beginn des Osterspaziergangs in Goethes Faust? Natürlich ist es damals wie heute der Frühling und der arbeitsfreie Feiertag, der die Leute hinaus treibt ins Grüne. Nach Monaten des Lockdowns treibt uns in diesem Jahr auch der Überdruss hinaus ins Freie. An den schönen Tagen, die schon waren, konnte man das erleben. Vieles darf mit spielen und mit herein spielen, um den Osterglauben an die Auferstehung Christi mit Erfahrung zu unterfüttern. Als Gruß zu Ostern hier ein Text der reformierten feministischen Theologin (sie lebt und lehrt im schweizerischen Basel) Luzia Sutter Rehmann:

Mich dem Leben in die Arme werfen

Wir sind auf der Suche
nach einer Kraft,
die uns aus den Häusern,
aus den zu engen Schuhen
und aus den Gräbern treibt.

Aufstehen und
mich dem Leben in die Arme werfen – 
nicht erst am Jüngsten Tag,
nicht erst, wenn es nichts mehr kostet
und niemandem mehr weh tut.
Sich ausstrecken nach allem,
was noch aussteht,
und nicht nur nach dem Zugebilligten.
Uns erwartet das Leben.
Wann, wenn nicht jetzt?

Halleluja verabschieden

Das gegenwärtige Verbot des Gemeindegesangs im Gottesdienst ist hart. Es drückt spürbar auf die Atmosphäre. Besonders vermisse ich das Mitsingen des Halleluja. Nicht nur ich muss mir fast auf die Zunge beißen, um nicht spontan auf den Ruf des Kantors oder der Kantorin zu antworten.
Der Verzicht auf das Halleluja drückt dem Gottesdienst einen fastenzeitlichen Charakter auf. Dazu bin ich einen schönen Vorschlag von Iris Maria Blecker-Gluczki (Deutsches Liturgisches Institut, Trier) gestoßen. Sie hat eine kleine Liturgie entwickelt, wie man sich am letzten Sonntag vor dem Aschermittwoch vom Halleluja bewusst verabschieden kann. Darin ist ein alter Text aus dem 8./9. Jahrhundert verarbeitet worden. Er passt auch in diese Zeit, wo zwar das Halleluja im Gottesdienst vorkommt, wir es aber nicht mitsingen dürfen.

„Halleluja. Halleluja“ (am besten besonders innig und kräftig gesungen)

(Zwischen den folgenden Strophen lässt sich schön jeweils eine Strophe des Liedes „Singet Lob unserm Gott“ – GL 781 – einbauen.)

Halleluja – Lied der Freude, Jubelruf der Seligkeit
Halleluja jauchzen Chöre in des Himmels Herrlichkeit.
Die im Hause Gottes wohnen, jubilieren allezeit.

Halleluja ruft voll Freude unsere Mutter, Gottes Stadt.
Halleluja singt begeistert, wer dort seine Heimat hat.
Uns – nach Babylon Verbannte – macht das Brot der Tränen satt.

Halleluja stets zu singen, ist uns hier noch nicht gewährt.
Halleluja kann nicht singen, wen noch Sündenschuld beschwert.
Uns geziemt die Zeit der Buße, die das Herz zu Gott bekehrt.

Preisend deine Macht und Güte flehen wir, Dreifaltigkeit:
Für des Himmels Osterfreude mache unser Herz bereit,
wo wir Halleluja singen dir zum Ruhm in Ewigkeit.

„Halleluja. Halleluja“

Sternsinger-Lied

Drei Könige wandern aus Morgenland
ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand,
in Juda fragen und forschen die drei,
wo der neugeborne König sei.
Sie wollen Weihrauch, Myrrhen und Gold
zum Opfer weihen dem Kindlein hold.

Und hell erglänzet des Sternes Schein,
zum Stalle gehen die Könige ein.
Das Knäblein schauen sie wonniglich,
anbetend neigen die Könige sich.
Sie bringen Weihrauch, Myrrhen und Gold
zum Opfer dar dem Kindlein hold.

O Menschenkind, halte treulich Schritt;
die Könige wandern, o wandre mit!
Der Stern des Friedens, der Gnade Stern
erhelle dein Ziel, wenn du suchest den Herrn!
Und fehlen dir Weihrauch, Myrrhen und Gold,
schenke dein Herz dem Kindlein hold!

Text: Peter Cornelius
Quelle: www.katholisch.de

Hirtenbrief zum Advent

Unser Erzbischof Reinhard Kardinal Marx richtet in dieser besonderen Corona-Zeit das Wort an die Gläubigen im Erzbistum. Er hat zusätzlich zum jährlichen Hirtenbrief am Beginn der Fastenzeit diesmal auch zu Beginn des Advents einen Hirtenbrief. Der Titel, dem Evangelium des 1. Adventsonntags entnommen, lautet: „Seid also wachsam!“

Diesen Ruf Jesu deutet er mehrfach. Zunächst lenkt er unseren wachsamen Blick auf die besonderen Umstände der Corona-Zeit. Gerade unter den Sorgen und Nöten und Einschränkungen und Bedrückungen der momentanen Umstände lässt sich die „starke Botschaft von Weihnachten“ bekräftigen und bestätigen. Gott ist Mensch geworden, und so gilt gerade auch jetzt: „Himmel und Erde sind endgültig verbunden. … Das ist gerade keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern Jesus zeigt, dass das Reich Gottes da ist, dass der Himmel die Erde berührt.“ Die zweite Richtung der Wachsamkeit führt zur wachsenden „Aufmerksamkeit füreinander“, und zwar gerade für „all die Menschen, die an Leib und Seele durch das Virus gefährdet sind: Wir schauen auf die alten Menschen und auf alle, die allein leben. Wir sehen, wie viele Menschen sich um ihre Zukunft sorgen. Wir erkennen, wie wir selbst und andere an Leib und Seele verletzt werden können durch Krankheit, durch Isolation, durch fehlende Kontakte, durch erhöhten Stress in Familie, Schule, Kindergarten und am Arbeitsplatz, durch Angst und Unsicherheit.“ Der Erzbischof lädt ein, Zeichen des Miteinanders zu geben – durch einen Brief, eine Mail, ein Telefonat, über die sozialen Medien …

Der Hirtenbrief hängt in den Schaukästen der Pfarrkirchen aus. Wer ihn ganz lesen will, findet ihn auch leicht in den elektronischen Medien.

Selig, die …

Zu Allerheiligen ist das Evangelium der berühmte Beginn der Bergpredigt, die acht Seligpreisungen. Aus Afrika stammt eine Umformulierung, die uns die Situation von alten Menschen näher bringt:

Selig, die Verständnis zeigen für meinen stolpernden Fuß und meine lahmende Hand.

Selig, die begreifen, dass mein Ohr sich anstrengen muss, um alles aufzunehmen, was man zu mir spricht.

Selig, die zu wissen scheinen, dass meine Augen trüb und meine Gedanken träge geworden sind.

Selig, die mit freundlichem Lachen verweilen, um ein wenig mit mir zu plaudern.

Selig, die niemals sagen: „Diese Geschichte haben Sie mir heute schon zweimal erzählt.“

Selig, die es verstehen, Erinnerungen an frühere Zeiten in mir wachzurufen.

Selig, die mich erfahren lassen, dass ich geliebt, geachtet und nicht allein gelassen bin.

Selig, die in ihrer Güte die Tage erleichtern, die mir noch bleiben auf dem Weg in die ewige Heimat.