„Betest du jeden Abend?“, frage ich die Kommunionkinder gern. Das wäre eine Aufgabe für die Omas und Opas, mit den Kindern ein Abendgebet zu lernen. Was war eigentlich Ihr eigenes Abendgebet? Oder vielmehr: … ist Ihr eigenes Abendgebet? Ich habe kürzlich entdeckt, dass das Abendgebet, das ich als Kind gelernt habe, länger ist, als ich es kannte. Meine Oma hat es damals offenbar bei den ersten zwei von vier Strophen belassen. Hier das Gebet in der vollen Länge, wie es voriges Jahr mal in der Kirchenzeitung abgedruckt war. (FJB)
Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
schließe meine Augen zu.
Vater, lass die Augen dein
über meinem Bette sein.
Hab‘ ich Unrecht heut‘ getan,
sieh es, lieber Gott, nicht an.
Denn deine Gnad‘ und Jesu Blut
macht allen Schaden wieder gut.
Alle, die mit mir verwandt,
Gott, lass ruh’n in deiner Hand.
Alle Menschen, groß und klein,
sollen dir befohlen sein.
Müden Herzen sende Ruh‘,
nasse Augen schließe zu.
Lass den Mond am Himmel steh’n
und die stille Welt beseh’n.
Luise Hensel (1798-1876)